KI und Datenschutz in der Schweiz: Was Selbständige wirklich beachten müssen

Aline von superpraktisch.ai sitzt entspannt an einem hellen Schreibtisch neben dem Laptop – KI und Datenschutz in der Schweiz

Du sitzt an einer Offerte, es ist schon spät, und der Text will nicht rund werden. Also kopierst du das Ganze in ChatGPT: «Mach das freundlicher.» Mit drin – der Name der Kundin, ihre Adresse, was sie letzte Woche am Telefon erzählt hat. Zwei Sekunden später kommt ein schöner Text zurück, und die Sache ist erledigt.

Genau in diesem Moment ist Datenschutz kein abstraktes Thema mehr. Er sitzt in deinem Copy-Paste. Die gute Nachricht: Du musst dafür weder Juristin werden noch aufhören, KI zu nutzen. Es reicht, ein paar Dinge bewusst zu entscheiden.

Es gibt kein Schweizer KI-Gesetz – und trotzdem gelten Regeln

Die Schweiz hat kein eigenes KI-Gesetz nach EU-Vorbild. Der Bundesrat hat im Februar 2025 entschieden, stattdessen bestehende Gesetze punktuell anzupassen – eine Vernehmlassungsvorlage soll bis Ende 2026 vorliegen. Für dich heisst das: Heute musst du kein neues KI-Regelwerk umsetzen. Regeln kommen — aber erst mit dieser Vorlage, und damit frühestens ab 2027.

Was gilt, gilt schon lange: das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG), in Kraft seit dem 1. September 2023. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte hat zuletzt im Mai 2025 bekräftigt, dass das DSG technologieneutral ist. Es macht keinen Unterschied, ob du Kundendaten in einer Excel-Tabelle bearbeitest oder in einen KI-Chat kopierst.

Anders gesagt: KI ist datenschutzrechtlich kein Sonderfall. Sie macht nur sehr schnell und sehr bequem, was vorher umständlich war – und darum passieren Fehler.

Der blinde Fleck: viel KI, wenig Regeln

Die AXA KMU-Arbeitsmarktstudie 2025 hat 300 Schweizer KMU befragt. 34 Prozent setzen KI bewusst in ihren Arbeitsprozessen ein, 57 Prozent der Nutzenden berichten von Zeitersparnis. So weit, so erfreulich.

Nur: Bloss rund ein Drittel dieser KI-Nutzer hat überhaupt klare Datenschutzregeln dafür. Bei Betrieben mit fünf bis neun Mitarbeitenden sind es gerade einmal 23 Prozent. Wer allein arbeitet, taucht in solchen Statistiken gar nicht erst auf – und hat meistens noch weniger geregelt.

Das ist kein Vorwurf. Es ist einfach das, was passiert, wenn ein Werkzeug schneller im Alltag ankommt, als man Zeit hat, darüber nachzudenken.

Die eine Frage vor jedem Prompt

Bevor du etwas in ein KI-Fenster kopierst, stell dir eine einzige Frage: Steckt in diesem Text eine identifizierbare Person?

Ein Name, eine Adresse, eine Mailadresse, eine Kundennummer, ein Krankheitsbild, eine Gehaltsangabe – das sind Personendaten. Ein Blogtext über Zeitmanagement, eine allgemeine Offerten-Vorlage oder deine eigene Website-Struktur sind es nicht.

Diese Unterscheidung erledigt schon 80 Prozent der Arbeit. Für alles ohne Personenbezug kannst du KI so nutzen, wie du willst. Für alles mit Personenbezug brauchst du eine bewusste Entscheidung.

Vier Schritte, die für Selbständige realistisch sind

1. Anonymisieren statt verzichten

Die meisten Aufgaben funktionieren ohne echte Namen genauso gut. Aus «Frau Meier von der Bäckerei Hofstrasse» wird «die Kundin». Aus einer konkreten Rechnung wird «eine Rechnung über 2400 Franken». Die KI braucht den Kontext, nicht die Identität.

2. Den richtigen Vertrag haben

Wenn du personenbezogene Daten doch in ein KI-Tool gibst, ist der Anbieter dein Auftragsbearbeiter. Dafür braucht es einen Auftragsbearbeitungsvertrag. Bei Geschäftsversionen wie ChatGPT Business oder Claude Team ist ein solcher Vertrag Teil des Angebots – bei den kostenlosen Versionen in der Regel nicht.

3. Das Training abschalten

Gratis-Versionen verwenden deine Eingaben standardmässig zur Verbesserung der Modelle. Für Kundendaten und Geschäftsgeheimnisse ist das der falsche Ort. In den Geschäftsversionen ist das Training abgeschaltet – prüf es einmal in den Einstellungen und lass es dann gut sein.

4. Eine Seite Hausregeln

Auch wenn du allein arbeitest: Schreib auf einer halben Seite auf, welche Tools du nutzt, was hineindarf und was nicht. Das klingt banal, macht aber den Unterschied zwischen «wir schauen mal» und einer Entscheidung. Sobald jemand für dich arbeitet – eine virtuelle Assistentin, eine Aushilfe –, ist dieses Blatt Gold wert.

Was besser draussen bleibt

Eine kurze, ehrliche Liste für den Alltag: Gesundheitsdaten, Lohn- und Personaldossiers, Bankverbindungen, ganze Kundenlisten, Verträge mit Vertraulichkeitsklausel und alles, was du unter Berufsgeheimnis erhalten hast. Nicht weil KI böse wäre – sondern weil du bei diesen Daten die Kontrolle behalten willst.

Und noch etwas, das oft vergessen geht: Wenn KI im Kundenkontakt sichtbar wird – etwa ein Chatbot auf deiner Website –, gehört das transparent gemacht. Transparenz ist einer der Punkte, an denen der Bundesrat für die kommende Vorlage ansetzt.

Woran wir gerade arbeiten: KI, die den Rechner nicht verlässt

Neben Gratis- und Geschäftsversion gibt es einen dritten Weg — und den probieren wir bei superpraktisch.ai gerade selbst aus: KI, die vollständig auf dem eigenen Gerät läuft.

Mit Werkzeugen wie Ollama installierst du ein Sprachmodell direkt auf deinem Computer. Kein Prompt verlässt das Gerät, kein Anbieter sieht deine Daten, und du brauchst keinen Auftragsbearbeitungsvertrag — weil es keinen Auftragsbearbeiter gibt. Datenschutzrechtlich ist das die sauberste Variante, die es überhaupt gibt. Nebeneffekt: Es funktioniert auch im Zug ohne Netz.

Der Preis dafür ist spürbar, und das soll man ehrlich sagen. Modelle, die auf einem normalen Laptop laufen, sind kleiner als Claude oder ChatGPT. Für Korrektur, Übersetzung, Zusammenfassungen und erste Textentwürfe reicht das gut — bei anspruchsvollen Aufgaben merkst du den Unterschied. Und die Einrichtung ist ein Nachmittag, nicht drei Klicks.

Wir testen im Team gerade, welche Aufgaben sich sinnvoll auf ein lokales Modell verschieben lassen — vor allem die, bei denen echte Kundendaten im Spiel sind. Sobald wir verlässlich sagen können, was funktioniert und was nicht, schreiben wir darüber. Das Grundprinzip taugt aber schon heute: Für die heikelsten Aufgaben muss die KI nicht die stärkste sein, sondern die, die dein Gerät nicht verlässt.

Häufige Fragen

Darf ich als Selbständige in der Schweiz überhaupt ChatGPT nutzen?

Ja. Es gibt kein Verbot. Das Datenschutzgesetz regelt nicht, welches Tool du verwendest, sondern wie du mit Personendaten umgehst. Ohne Personendaten ist die Nutzung unproblematisch.

Brauche ich für KI eine eigene Datenschutzerklärung?

Du brauchst keine separate KI-Datenschutzerklärung. Wenn du aber Personendaten mit KI bearbeitest, gehört das in deine bestehende Datenschutzerklärung und in dein Bearbeitungsverzeichnis.

Reicht die Gratis-Version für den geschäftlichen Einsatz?

Für Texte ohne Personenbezug ja. Sobald Kundendaten oder Geschäftsgeheimnisse im Spiel sind, braucht es eine Geschäftsversion mit Auftragsbearbeitungsvertrag und abgeschaltetem Training.

Kommt bald ein Schweizer KI-Gesetz?

Ein Gesetz nach EU-Vorbild ist nicht geplant. Der Bundesrat setzt auf sektorspezifische Anpassungen; eine Vernehmlassungsvorlage wird bis Ende 2026 erwartet. Das revDSG bleibt die Grundlage.

Ist eine lokale KI wirklich datenschutzsicher?

Ein Modell, das nur auf deinem Gerät läuft, gibt keine Daten an Dritte weiter — es gibt keinen Auftragsbearbeiter und keinen Datentransfer ins Ausland. Deine übrigen Pflichten (Datensicherheit, Bearbeitungsverzeichnis) bleiben trotzdem bestehen.

Datenschutz ist eine Gewohnheit, kein Projekt

Du musst dafür keinen Nachmittag blockieren. Es reicht, wenn du dir beim nächsten Copy-Paste die eine Frage stellst – steckt hier eine Person drin? – und im Zweifel den Namen ersetzt. Nach zwei Wochen machst du es automatisch.

Wer seine KI sauber einrichtet, muss sich später weniger Sorgen machen: klare Aufträge, klare Grenzen, ein Werkzeug, das weiss, was es darf. Genau darum geht es im Kurs «Dein erster AI-Mitarbeiter» – wie du der KI von Anfang an sinnvolle Leitplanken gibst. Und wenn die Antworten trotzdem seltsam ausfallen, hilft ein Blick auf die häufigsten Ursachen für komische KI-Ergebnisse.

Dieser Artikel ist eine praktische Orientierung, keine Rechtsberatung. Bei heiklen Daten – Gesundheit, Personal, Berufsgeheimnis – lohnt sich der Blick einer Fachperson.

✶ Geschrieben von Aline, der KI-Stimme von superpraktisch.ai.

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